Weinregion: Bairrada

Tradition und Moderne vereinen sich in den DOCs Bairrada und Dão, ein vielversprechender Newcomer ist die DOC Beira Interior

Die Region Beiras ist ein vielgestaltiger Landstrich mit sehr gegensätzlichen Weinlandschaften. Während Bairrada recht tief liegt und klimatisch stark vom Atlantik geprägt ist, befinden sich die Weinberge der DOC Beira Interiorschon in der zentraliberischen Meseta. Hier wachsen die Reben auf einer Höhe von durchschnittlich 700 m über dem Meeresspiegel. Entsprechend rau ist das Klima. Der Name Beiras lässt keine eindeutige Deutung zu. Der portugiesische Ausdruck "à beira de" bedeutet »nahe bei«; auf die Region bezogen dürfte damit ein Gebiet gemeint sein, das in der Nähe eines geografisch völlig anders gearteten Raumes liegt. Doch ob es sich auf die Nachbarschaft zur östlichen Gebirgskette Serra da Estrela bezieht oder ob die Nähe zum atlantischen Ozean gemeint ist, bleibt unklar. Die Landwein-Appellation Vinho Regional Beiras mit ihren drei Teilgebieten Beira Litoral, Beira Alta und Terras de Sicó erstreckt sich über die gesamte Region. Außerdem umfasst das Gebiet die vier DOCs Dão, Bairrada, Távora-Varosa und Beira Interior sowie die IPR Lafões. Wie auch in anderen Regionen Portugals werden mitunter hervorragende Weinqualitäten als Landweine vermarktet. Etwa 20 Millionen Liter beträgt die jährlich als Vinho Regional Beiras deklarierte Produktionsmenge, unter der nun auch Schaumwein erzeugt werden darf.

INFORMATIONEN ZUR REGION
BEIRAS

Lage: Im nördlichen Zentrum Portugals, von der spanischen Grenze bis zum Atlantik. Wichtige Städte sind Viseu, Guarda, Coimbra und Castelo Branco.
Rebfläche: ca. 60000 ha.
Appellationen: DOC Bairrada, DOC Dão (mit den Sub-Regiões Alva, Besteiros, Castendo, Serra da Estrela, Silgueiros, Terras de Azurara und Terras de Senhorim), DOC Távora-Varosa, DOC Beira Interior (mit den Sub-Regiões Castelo Rodrigo, Cova da Beira und Pinhel), IPR Lafões. Die Landwein-Appellation heißt Vinho Regional Beiras (auch für Schaumwein).
Wichtigste Rebsorten: weiß: Arinto, Bical, Chardonnay, Cercial, Dona Branca, Gouveio, Encruzado, Fernão Pires (Maria Gomes), Rabo de Ovelha, Síria (Roupeiro), Malvasia Fina und Tamarez; rot: Alfrocheiro, Alvarelhão, Aragonez (Tinta Roriz), Baga, Bastardo, Camarate, Castelão, Jaen, Rufete, Tinta Barroca, Tinto Cão, Touriga Franca, Touriga Nacional und Trincadeira (Tinta Amarela). In Beira Interior und Bairrada sind außerdem Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Syrah und Petit Verdot (nur Beira Interior) zugelassen.
Besonderheiten: Dão und Bairrada produzieren mit die langlebigsten Rotweine Portugals. Bairrada und Távora-Varosa sind wichtige Schaumweinerzeuger.


DOC BAIRRADA
Bairrada besitzt zwar eine lange Weinbautradition, fand aber erst relativ spät, nämlich Ende der Siebzigerjahre, zu seinen heutigen Grenzen Ein Qualitätsweinstatus auf nationaler Ebene wurde Bairrada 1979 zugestanden. Die Anerkennung als DOC wurde von den europäischen Beamten in Brüssel 1991 bestätigt.

Die Anfänge
Schon die Römer bauten südlich des Städtchens Anadia Wein an. Mit dem Aufstieg von Coimbra zum politischen Zentrum des jungen christlichen Königreichs erlebte der Weinbau im Mittelalter seinen ersten Höhepunkt. Hof, Kirche und die großen Märkte, welche Coimbra zu einem schnellen Aufstieg verhalfen, wollten mit Wein versorgt werden. Doch nicht immer meinte es das Schicksal gut. Als der Portwein seinen ersten Siegeszug begann, schien es zwar zunächst, als würde dies auch einen Glücksfall für die Winzer in Bairrada bedeuten. Ein Großteil ihrer Produktion gelangte nach Vila Nova de Gaia, um in die Port-Erzeugung einzufließen. Doch die Maßnahmen, die der Marquês de Pombal, seinerzeit der »starke Mann« Portugals, Mitte des 18. Jahrhunderts ergriff, kamen für die Bairrada-Erzeuger einer Katastrophe gleich. In Pombais durchaus erfolgreichen, aber nicht ganz uneigennützigen Vorhaben, die Authentizität des Portweins zu sichern und das Anbaugebiet dieses erfolgreichsten Exportguts der damaligen portugiesischen Weinwirtschaft strenger zu definieren, verfügte er kurzerhand, die Reben der blühenden Weinregion im zentralen Westen des Landes zu roden. Das Land sollte der Getreideproduktion einverleibt werden. Der Schock dieser rigorosen Maßnahme wirkt bei den alten Weinfamilien des Gebiets immer noch nach, und die Seele des alteingesessenen Bairrada-Winzers reagiert nach wie vor sensibel auf Eingriffe vonseiten der offiziellen Stellen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Weine und Erzeuger, welche die geschützte Herkunftsbezeichnung Bairrada für sich beanspruchen, immer in Bewegung ist. Denn den Erzeugern aus dem Gebiet steht jederzeit die Option offen, ihre Gewächse unter der weniger restriktiven Bezeichnung Vinho Regional Beiras zu vermarkten.

Die Zeit der Massenproduktion
Die ersten Versuche, das Gebiet geografisch zu definieren, gehen wohl auf das Jahr 1866 zurück, als António Augusto de Aguiar eine Art Bodenklassifizierung unternahm. Sie konnte sich jedoch nicht durchsetzen, nachdem sie Mealhada als einzige Gemeinde für die Produktion von hochwertigen Rotweinen vorsah und Gemeinden wie Oliveira do Bairro buchstäblich deklassiert wurden. Bedeutende Nachfrage erfuhren die schweren Rotweine des Gebiets, nachdem die Reblaus die französische Weinwirtschaft in den Ruin gestürzt hatte. Ein weiterer wichtiger Impuls für die spätere Entwicklung war die Einführung der Schaumweinbereitung nach der Methode der Zweitgärung in der Flasche, die sogenannte traditionelle Methode, wie sie schon in der Champagne praktiziert wurde. So gilt die Weinschule in Anadia als Geburtsort der portugiesischen Schaumweine, der Espumantes. Die Schaum-weinproduktion sollte ein wichtiger Absatzkanal für die Erzeuger in Bairrada werden, vor allem als die französische Weinproduktion wieder in Fahrt kam und die Überschüsse hart auf den Markt drückten. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren trotz alledem eine Ära wenig ambitionierter Fassweinproduktion. Nüchtern betrachtet, war Bairrada in jener Zeit ein reiner Produzent von Basisweinen für eine neue Generation von Großkellereien, ohne dass den Winzern der Mehrwert einer Qualitätsweinproduktion mit eigener Identität zugutegekommen wäre. Diese praktisch namenlosen Weine fanden ihre Abnehmer in Übersee, beispielsweise in Brasilien, und auch die portugiesische Armee, die zu Zeiten der kolonialen Abenddämmerung in Afrika von Konflikt zu Konflikt zog, versorgte ihre Mannschaften mit den günstigen Qualitäten aus dem westlichen Zentrum ihres Landes. Die ständig angespannte Absatzsituation machte Bairrada zu einem idealen Nährboden für die von der Regierung verordnete Genossenschaftsbewegung der Fünfzigerjahre. Sie brachte den Winzern immerhin einen bescheidenen Wohlstand. Produziert wurden vor allem leicht zugängliche Weine für die wachsenden Exportmärkte, die mit den portugiesischen Immigrantenwellen in den zentraleuropäischen Industrieländern entstanden waren. So finden sich vor 1980 kaum Flaschenweine von nennenswerter Qualität aus diesem Gebiet, sieht man einmal von den berühmten Weinen des Palasthotels Buçaco ab, das in der Serra do Buçaco ganz im Osten des Gebiets an der Grenze zur DOC Dão liegt.

IPR LAFÕES
Die IPR-Region Lafões liegt nördlich von Dão und stößt im Nordwesten ihrerseits an das Vinho-Verde-Gebiet. Das Gebiet, das sich längs des Vouga-Tals erstreckt, produziert auf i 600 ha Rebfläche säurereiche leichte Weiß- und Rot-weine, die mehr Verwandtschaft mit dem Vinho Verde zu haben scheinen als mit den festen Gewächsen des benachbarten Dão. Für Rotwein kommen hauptsächlich die Sorten Amaral, Jaen und Pilongo zum Einsatz, Weiße bereitet man auf der Basis von Arinto und Cercial.


Grenzen und Böden
Die Flüsse Vouga im Norden und Mondego im Süden sowie die Gebirgszüge Serra do Caramulo und Serra do Buçaco im Osten bilden die natürlichen Grenzen der DOC Bairrada. Im Westen endet die Region einige Kilometer vor dem Atlantik, wohl wegen der dichten Besiedelung an der Küste. Die für den atlantischen Küstenstreifen typischen Sandböden ziehen sich weit in das Anbaugebiet hinein, charakteristisch für Bairrada sind jedoch vor allem recht schwere Lehmböden, durchmischt mit Kalk. Sie dominieren in erster Linie das Herz des Gebiets im breiten und flachen Tal des Cértima, eines der drei kleinen Flüsse, die das Gebiet in Richtung Bucht von Aveiro durchfließen. Der Wasserreichtum ist für die Winzer nicht immer von Vorteil. In vielen Jahren treten die für den Herbst typischen heftigen Regengüsse zu früh ein und sättigen die Böden rasch. Die Staunässe begünstigt die Fäulnis bei der empfindlichen Hauptrebsorte Baga.

Klima im Wandel
Praktisch das gesamte Gebiet wird von atlantisch geprägtem Klima beherrscht. Die regenfreie Zeit ist recht kurz, so dass es die Winzer oft nicht leicht haben, ihre Lese unversehrt einzubringen. Doch auch in diesem Winkel der Welt macht sich die globale Klimaveränderung bemerkbar — die Niederschläge haben in den letzten Jahren deutlich abgenommen. In den vergangenen Jahrzehnten kam man auf kaum mehr als drei gute Jahrgänge pro Dekade. Mit 2000, 2001 und 2005 hat es in jüngster Zeit jedoch eine auffällige Häufung von guten Jahrgängen gegeben.

Produktion
Etwas mehr als 10 000 ha Reben stehen momentan in Bairrada in Ertrag, von denen aber nur 7000 ha in die Produktion von DOC-Weinen eingehen. In den vier Gemeinden Anadia, Cantanhede, Mealhada und Oliveira do Bairro sowie in Teilen von Águeda, Aveiro, Coimbra und Vagos produzieren fünf Genossenschaften, 35 größere Kellereien sowie rund 45 Klein-erzeuger zusammen 35 Millionen Liter Wein. Von dieser Menge zertifiziert die für die Appellation zuständige Comissão knapp ein Drittel. Rotwein macht mit 60 % das Gros der Produktion aus; großer Beliebtheit auf dem heimischen Markt erfreuen sich aber auch die Espumantes. Sie decken einen Viertel der Produktion ab, die Tendenz ist steigend.

DOC TÁVORA-VAROSA
Das im Hochland bei Lamego gelegene Anbaugebiet Távora-Varosa mit etwa 3000 ha Rebfläche ist im Ausland kaum bekannt, und die Portugiesen assoziieren mit der kleinen DOC im Grunde nur Schaumwein. Mittlerweile werden jedoch auch einige durchaus ansprechende weiße Stillweine unter diesem Gütesiegel gekeltert. Die Weine sind leicht und verfügen über eine gute Säure, ideal also, um sie als Grund-weine für weiße und rote Schaumweine einzusetzen. Man arbeitet mit einer beachtlichen Bandbreite an Rebsorten; bei den weißen sind dies vor allem Bical, Arinto, Chardonnay, Dona Branca, Fernão Pires (Maria Gomes), Folgasão, Gouveio und Malvasia Fina, für die Schaum-weinproduktion ist auch Pinot Blanc zugelassen. Für Rotweine werden hauptsächlich Alva-relhão,Aragonez (Tinta Roriz), Bastardo, Barca, Castelão, Malvasia Preta, Marufo, Rufete, Tinta Barroca, Touriga Franca, Touriga Nacional, Trin¬cadeira und Vinhão sowie — für Schaumwein — Pinot Noir verwendet.


Land der Baga-Traube
Nach wie vor steht das Gebiet ganz im Zeichen seiner berühmten roten Hauptsorte Baga. Keine andere Appellation Portugals wird derart von einer Rebsorte dominiert, wie die DOC Bairrada von der Baga mit einem Anteil von über 90 %. Wegen ihres sehr eigenen Charakters stehen ihr viele Winzer allerdings mit gemischten Gefühlen gegenüber. Baga kann äußerst ausdrucksvolle, tanninreiche und farbintensive Weine liefern. Trotzdem ist es erstaunlich, dass ausgerechnet diese Traube nach der Reblauskatastrophe zur alles dominierenden Hauptsorte in Bairrada wurde — ein Gebiet, das durch den Einfluss des Atlantik zumindest bislang von hohen Niederschlagsmengen geprägt war. Und gerade Feuchtigkeit verträgt die spät reifende Sorte nicht gut, da sie schnell zu Fäulnis neigt. Um wirklich gute Baga-Weine produzieren zu können, sind ein trockener Herbst und wagemutige Winzer nötig, die das Risiko auf sich nehmen, die Traube spät und damit mit der erforderlichen phenolischen Reife zu lesen. Dass bei den meisten Winzern vor allem in früheren Zeiten Mut nicht zu den herausragenden Eigenschaften zählte, kann man an der Fülle »grüner« und harter Weine vergangener Jahrzehnte ablesen, die dem Ruf dieser Gewächse nicht gerade gut bekommen sind. Doch natürlich hat die Baga ihre Stärken. Unter anderem gehört dazu die Fähigkeit, Weine hervorzubringen, die ausgezeichnet altern können. Während junge Baga-Weine mit ihrem intensiven Duft nach Waldbeeren und dem ruppigen Tannin oft wild und unzugänglich wirken, zeigen sich gereifte Exemplare komplex und voller Energie, mit einem stabilen Säurefaden. Genussreif sind die großen Gewächse oft erst nach zehn bis 15 Jahren. Dann allerdings zeigen sie sich wunderbar vielschichtig mit Aromen von Schattenmorellen, Dörrpflaumen, Teer, schwarzem Tabak, Eukalyptus, Pinien und Grillfleisch. Das sperrige, ja fast scharfe Tannin entwickelt mittelfristig eine angenehm körnige Substanz und wird dann langsam immer milder.

Rote und weiße Schaumweine
Bairrada gilt als das wichtigste Schaumweinzentrum des Landes. Insbesondere die roten Espumantes verdienen aufgrund ihres Charakters besondere Aufmerksamkeit. Einerseits können sie mit einer unbändig tiefen und dunklen Frucht aufwarten, andererseits verblüffen sie mit Tannin und Säure. Möglicherweise schwören aus diesem Grund so viele Portugiesen auf die Kombination von rotem Bairrada-Espumante mit dem für die Gegend so typischen Spanferkel. Eine sehr eigene Note haben Schaumweine, die auf Baga-Basis entstehen. Sie können eine tiefrote Farbe aufweisen, werden aber auch als Rosé oder sogar weiß gekeltert. Die Genossenschaft São Domingos hat sich hier in den letzten Jahren besonders hervorgetan.

Weiße Sorten
Bical ist die wohl interessanteste der weißen Sorten des Gebiets. Sie erbringt gute Resultate auf Kalk-Lehm-Böden, während die leichtere und aromatischere Maria Gomes (auch bekannt unter dem Namen Fernão Pires) sandigere Böden bevorzugt. Auch Arinto wird von einigen Winzern angebaut. Viele Kenner sind der Meinung, dass die besten Bical-Weine des Landes in der Nähe des Dorfes Óis do Bairro entstehen. Reife, gelbe Frucht, aber auch eine klare Aromatik von tropischen Früchten sowie robuste Säure, gepaart mit einer sehr erfreulichen Entwicklung im Alter, sind ihre Stärken.

Ein Magier im Keller
Hervorragende Ergebnisse mit Bical-Weinen hat die Casa de Saima erzielt. Die kleine Kellerei genießt einen ausgezeichneten Ruf und gilt als Hort der Tradition. Ihre ungemein alterungsfähigen Rotweine werden in Steinbecken mit den Stielen vergoren und dann mehrere Jahre in altem Holz ausgebaut. Verantwortlich im Keller ist der »Weinmagier« Rui Moura Alves. Der legendäre Weinmacher dirigiert außerdem auch die Kellerarbeit auf der Quinta de Baixo in Cantanhede. Hier entsteht der herrliche Quinta de Baixo Garrafeira, einer der schönsten Garrafeiras der DOC Bairradas, beerig und erdig in der Nase, mächtig und fleischig am Gaumen.

Der Meister der Baga
Wie kein anderer hat sich Bairradas bekanntester Produzent Luís Pato um die Baga-Traube verdient gemacht. Der willensstarke Autodidakt, Sohn eines großen Abfüllers, wie sie für das Gebiet früher typisch waren, begann 1980 selbst Weine zu keltern. Seine großen Jahrgänge sind 1985, 1995 und 2005, und jedes dieser Jahre repräsentiert einen neuen Abschnitt in seiner persönlichen Entwicklung. Luís Patos 1985er Jahrgang steht nicht nur für überzeugende Qualität, sondern auch für seine erste Ernte, die er fast vollständig entrappt, also ohne Stiele verkelterte. Ein Jahrzehnt später, 1995, führte er den ersten systematischen Grünschnitt durch. Auch die Weine, die Luís Pato berühmt machen sollten, erblickten in jenem Jahr erstmals das Licht der Welt: Vinha Pan, Vinha Barrosa und Pé Franco. 2005 schließlich gelangen ihm die ersten Kaltmaischungen, die seinen eigenen Ansprüchen genügten. Pato selbst bezeichnet diesen letzten seiner drei großen Jahrgänge als den komplettesten. Um plakative Beschreibungen seines Gebiets und dessen Hauptsorte ist der Weinmacher nicht verlegen: »Ein gut gemachter Baga ähnelt in seiner Jugend einem Barolo, im Alter trägt er die feinen und komplexen Züge eines großen Burgunders«, lautet eine seiner Überzeugungen. Auf seinem Weingut bei Anadia, der Adega Luís Pato, erzeugt der Meister eine Fülle unterschiedlichster Weine. Generell hält er die Erträge niedrig. Bei den roten Sorten werden selbst aus jüngeren Pflanzungen nie mehr als 3500 kg/ha eingebracht. Eine zusätzliche Selektion wird erreicht, indem er schon im August eine erste Lese durchführt, die in seine Schaum-weinproduktion eingeht, und erst Wochen später die vollreifen Trauben für seine hochklassigen Rotweine erntet. Luís Patos bemerkenswertester Wein ist sicherlich der Pé Franco, dessen Lesegut aus einer kleinen Parzelle wurzelechter Baga-Stöcke stammt. Lediglich zwei 650-Liter-Fässer beträgt die Produktion. Vinha Barrosa ist ein Einzellagenwein aus 80 Jahre alten Reben, in den übrigens nach alter Manier etwa 3 % weiße Trauben eingehen. Von der Lage Panasqueira leitet sich der Name des Vinha Pan ab, ebenfalls ein rein-sortiger Baga, der zwölf Monate in neuer Eiche ausgebaut wird. Pato steht im Ruf, als erster die Baga gezähmt zu haben. Dies wird bei den Weinen aus dem qualitativen Mittelbau besonders deutlich. Seinen roten Vinhas Velhas bereitet er in sogenannten Vinimatics, Rotationstanks, die der Sorte mehr Aroma und Farbe als Tannin entlocken. So entstehen zugängliche Baga-Weine für einen größeren Konsumentenkreis. Meinungs-verschiedenheiten mit der Führung des zuständigen Kontrollorgans der Appellation bewogen ihn 1998 zum Austritt aus der DOC. Seitdem werden seine Weine nur noch unter dem Label Vinho Regional Beiras vermarktet.

Französische Sorten in der Cuvée
Einen ganz anderen Ansatz in Bezug auf Rebsorten vertritt der Erzeuger Carlos Manuel Campolargo. Der aus einer alten Weinfamilie stammende Jurist konzentriert sich zwar auf gebietstypische Rebsorten wie Castelão Nacional (die offiziell den Namen Camarate trägt, in Bairrada traditionell aber auch einfach Castelão heißt — nicht zu verwechseln mit der auch Periquita genannten Castelão-Traube Südportugals). Für ihn spielen aber auch Merlot und Cabernet Sauvignon eine wichtige Rolle. Als Begründung für den Einsatz der französischen Importtrauben führt er die Nähe des Meeres und das relativ milde Klima an. In gewisser Weise bestehen Ähnlichkeiten zum ebenfalls meeresnahen Bordelais. Der sehr angenehme Charakter seiner von Cabernet geprägten Roten geben ihm recht. Die Frucht wirkt kühl und dennoch reif, gänzlich frei von grünen oder bitteren Noten. Seine brandneue Kellerei beeindruckt mit ausgefeilter Technik. Das Überschwallen wird durch eine Automatik ersetzt, die in regelmäßigen Abständen den Maischehut zerbricht. Moste und Weine werden nur per Schwerkraft bewegt. Empfehlenswert ist etwa seine von Castelão Nacional dominierte Cuvée Campo-largo C.C. Diese Traubensorte ist berühmt für ihren kräftigen Wuchs und bietet jede Menge Säure und Tannin. Der feinere und elegantere Termeão stützt sich auf Touriga Nacional, Castelão Nacional und Cabernet Sauvignon.



Quelle: "Portugal und seine Weine" - Gräfe und Unzer Verlag GmbH / ViniPortugal