Weinregion: Vinho Verde

Das grüne Land im äußersten Nordwesten Portugals ist die Heimat des berühmten DOC-Weins Vinho Verde
Nirgendwo in Portugal sind die Landschaft und das Leben der Menschen so mit dem Weinbau verwoben wie im feuchten Nordwesten des Landes. Das Gebiet des Vinho Verde zwischen dem Minho-Fluss im Norden, den Bergen im Osten, die das atlantisch beeinflusste Portugal vom iberischen Kernland abtrennen, sowie den Bergketten südlich des Douro, kann paradiesisch anmuten, aber auch befremden. Insbesondere Besucher ohne Portugal-Erfahrung mögen die Mischung aus ländlichem Leben und der immer wieder wie zufällig hingeworfen wirkenden Kleinindustrie wie ein chaotisches Durcheinander empfinden. Nach der Revolution in den Siebzigerjahren brachten Textil- und Schuhindustrie dem grünen, agrarisch geprägten Norden einen beträchtlichen Wohlstandsschub. Inzwischen stecken beide Sektoren tief in der Krise.

URALTE KULTURLANDSCHAFT
Geschichtlich, demografisch und natürlich wirtschaftlich ist der Nordwesten von entscheidender Bedeutung für die kleine Nation. Auf einer Granitwand im Zentrum der wunderschönen, mit imposanten Baudenkmälern gespickten Stadt Guimarães steht zu lesen: Aqui Nasceu Portugal — hier wurde Portugal geboren — und diesen Stolz trägt jeder Nordportugiese in seinem Herzen. Im Minho, wie der Nordwesten auch genannt wird, leben allein auf dem Land über drei Millionen Portugiesen. Rechnet man die Bevölkerung von Porto mit seinen Vororten noch dazu, dann entfällt auf den »atlantischen Streifen« im Nordwesten über ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Den-noch führte die Bevölkerung zwischen Minho und Douro auch immer ein recht isoliertes Dasein. Durch die Erhebungen im Osten vom Landesinneren abgetrennt, blickte man gen Westen, in Richtung Ozean. Die stete Präsenz des Meeres prägte die »Minhotos« mehr als die dürftige Verbindung zum iberischen Kernland.

INFORMATIONEN ZUR REGION „MINHO“
Lage: Im nordwestlichsten Teil Portugals, im Wesentlichen zwischen den Flüssen Minho (der die Grenze zum spanischen Galicien bildet) und Douro. Ein kleiner Teil der DOC Vinho Verde erstreckt sich auch südlich des Douro. Wichtige Städte sind u. a. Viana do Castelo, Barcelos, Braga, Guimarães und Penafiel.
Rebfläche: ca. 35 000 ha.
Appellationen: DOC Vinho Verde mit den Teilbereichen Amarante, Ave, Baião, Basto, Cávado, Lima, Monção, Paiva und Sousa. Die Landwein-Appellation heißt Vinho Regional Minho. Wichtigste Rebsorten: weiß: Alvarinho, Arinto (Pedernã), Avesso, Azal Branco, Batoca, Loureiro und Trajadura; rot: Amaral, Alvarelhão, Borraçal, Espadeiro, Padeiro, Pedral, Rabo de Anho und Vinhão.
Besonderheiten: Die reichlichen Niederschläge konzentrieren sich auf Winter und Frühling. Spätfröste können in einigen Teilgebieten eine Gefahr für den Weinbau darstellen.

GRÜNER WEIN
Die Annahme, der »grüne« Wein des Nordens trage seinen Namen aufgrund von grün, und damit unreif gelesenen Trauben, mag nahe liegen, entspricht aber nicht der Wahrheit. Als die Bezeichnung Vinho Verde erstmals 1908 in schriftlicher Form niedergelegt wurde, bezog sich der Gründungsausschuss in erster Linie auf die Frische der Weine, da die Qualitäten des Nordwestens im Gegensatz zu den Gewächsen des Zentrums oder des Südens zum einen jung getrunken wurden und zum anderen durch ihre Säure immer sehr belebend wirkten. Keineswegs abwegig ist natürlich auch der Bezug, den man zwischen dem Wein und der Landschaft, in der er erzeugt wird, herstellen kann. Der feuchte, überaus fruchtbare und damit grüne Norden hat schon immer die Besucher in höchstem Maße fasziniert, Portugiesen aus dem Süden ebenso wie ausländische Reisende.

Vegetation im Überfluss
Landschaftlich hat das Gebiet an vielen Orten seinen Liebreiz bewahrt. Sieht man einmal über die sich ausbreitende Zersiedelung hinweg, dann ist man angenehm berührt von den sanft geschwungenen Hügellandschaften, den gepflegten Dörfern und Kleinstädten und der steten Präsenz des Wassers, welches sich in Bächlein und Flüssen in Richtung Westen, hin zum alles bestimmenden Atlantik bewegt. Hinzu kommt das besondere Licht, getränkt von Feuchtigkeit, das der Landschaft noch eine besonders weiche Note verleiht. Grün ist die Farbe des Nordens, und diese ungebändigte Fruchtbarkeit, die trotz der kargen Granitsand böden das Bild prägt, macht zweifellos den Reiz dieser uralten Kulturlandschaft aus.Weite Ebenen oder gar Hochplateaus sucht man im Minho vergebens. Die Landschaft ist ein ständiges Auf und Ab, ohne dass sie je-mals wirklich an Höhe gewinnt. Dementsprechend mild ist das Klima. Allein die das Gebiet begrenzenden Serras erheben sich auf über 1000 m, dort herrscht die Iberische Eiche.

Ein feuchter Landstrich
Im Osten von einer Vielzahl an Gebirgszügen begrenzt, öffnet sich das Vinho-Verde-Gebiet nach Westen, den Einflüssen des Meeres zu. Schnee fällt kaum, bedrohlich für die Winzer können indes Spätfröste werden, die in manchen Jahren den Lagen in den engeren Tälern zu schaffen machen. Charakteristisch sind die üppigen Niederschläge, welche die in Zentral-europa üblichen Werte bei weitem übersteigen. Im Winter und im Frühjahr verzeichnet man den meisten Regen, so dass im Frühsommer die Landschaft zwischen Minho und Douro von einem dichten, grünen Vegetationsteppich bedeckt ist. Noch in der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts betrug die Niederschlagsmenge in einigen höher gelegenen Landstrichen im Osten der DOC bis zu 1800 mm. Doch damit könnte es nun vorbei sein. Auch Portugal bleibt von der Klimaveränderung nicht verschont, die dem feuchten Norden im neuen Jahrtausend Rekordhitze und unzuverlässigeren Regen beschert hat.

Kleine Rebgärten

Reist man durch die Minho-Region, dann begegnet man dem Weinbau auf Schritt und Tritt. Überall, in den Vorgärten, entlang der Straßen und Eisenbahnlinien, an den Häusern, ja selbst an den Fassaden von Gewerbegebäuden inmitten kleinerer Industriegebiete und in direktem Übergang zu den Wäldern, behauptet sich die Rebe. Wie viele Parzellen tatsächlich existieren, ist schwer zu schätzen. Die Rede ist von etwa 90 000, die wiederum zu 90 % weniger als 3 ha groß sind. Hier findet das Wort Rebgarten zu seiner ureigensten Bedeutung. Trotzdem ist das Gebiet nicht unbedingt als Weinlandschaft, sondern eher als Landschaft mit Wein zu bezeichnen. Insbesondere im späten Frühjahr, wenn die Vegetation am üppigsten sprießt, ist vielerorts die Rebe nicht auf den ersten Blick auszumachen, so perfekt integriert ist sie in das grüne Pflanzenmeer. Die Bewohner des Minho sind im wahrsten Sinne des Wortes erdverbunden. Sie gelten als konservativ, argwöhnisch jeder Veränderung gegenüber. Andererseits sind sie herzlich und direkt. Sucht man den Kontakt und das Gespräch, ist ihre oft fast selbstlos wirkende Gastfreundlichkeit ehrlich und nie aufdringlich. Der eigene Garten, die eigene Ackerkrume und selbstverständlich der eigene Weinberg sind den Familien heilig. Grundbesitz, und mag er noch so klein sein, wird als Statussymbol verstanden. Rebfläche zu kaufen ist also entsprechend schwierig. So ist es auch kein Wunder, dass große Anwesen mit ausgedehnten Anbauflächen, wie man sie etwa in der Estremadura oder im Alentejo häufig antrifft, sehr rar gesät sind.

VINHO VERDE
Das Qualitätsweingebiet Vinho Verde ist mit rund 35 000 ha Reben eine der größten DOCs Portugals. Parallel dazu existiert eine Bezeichnung für Landweine, die sich Vinho Regional Minho nennt. Im Vergleich zu anderen von der Größe her ähnlichen Landwein-Appellationen fällt sie aber kaum ins Gewicht. Im Nordwesten werden, zumindest nach offiziellen Angaben, 97 % aller Weine als DOC Vinho Verde vermarktet. Momentan wird die Zahl der eingetragenen Erzeuger mit 35 000 bis 36 000 angegeben. Selbstredend können nicht sämtliche Kleinstproduzenten mit all ihren Erzeugnissen erfasst werden. Immer noch existieren Kleinbauern, die für die Familie und die örtliche Gastronomie offene Weine produzieren und schätzungsweise 4000 ha bestellen, die weder als DOC noch als Vinho Regional registriert sind. Gott sei Dank ist das alte Portugal noch nicht gänzlich verschwunden!

ZÖGERLICHE ENTWICKLUNG
Dem Gebiet geht der Ruf voraus, nicht gerade zu den entwicklungsfreudigsten Appellationen des Landes zu zählen. Mit diesem Urteil machen es sich die Kritiker jedoch etwas zu einfach. Sicherlich zeigte sich die DOC Vinho Verde insbesondere in den Neunzigerjahren nicht sonderlich agil und hinkte den neuen Tendenzen, nicht zuletzt im eigenen Land, hinterher. Die Rechnung kam prompt: Vinho Verde musste den Spitzenplatz als verkaufsstärkste DOC auf dem heimischen Markt an das Alentejo abgeben. Auch die Produktion ging zurück. Während vor 15 Jahren noch 120 Millionen Liter jährlich erzeugt wurden, sind es heute im Schnitt 30 Millionen weniger. Zahlreiche Kleinbauern haben aufgrund der Absatzkrise ihre Rebflächen aufgegeben. Hinzu kommen sinkende Durchschnittserträge — ein Ergebnis der Neubesinnung auf Qualität Ende des 20. Jahrhunderts. Dennoch behauptet sich die DOC mit immerhin noch 16 % Marktanteil im Inlandsgeschäft. Auf der anderen Seite wurden Entscheidungen getroffen, die sich, besonders von der heutigen Warte aus gesehen, als richtig erwiesen haben. Den Anbau der weißen Starsorte Alvarinho auf den äußersten Norden zu beschränken hat letztlich zu einer Qualitätsexplosion bei den reinsortigen Weinen dieser Traube geführt. Auch sollte nicht vergessen werden, dass noch vor 25 Jahren weitaus mehr roter als weißer Vinho Verde produziert wurde. Heute liegt der Anteil der Roten unter einem Drittel. Führt man sich die Qualitätssteigerung der letzten Jahre insbesondere beim weißen Vinho Verde vor Augen, kann man zu dieser Trendwende nur gratulieren. Seit den Neunzigern kann auch ein Qualitäts-Schaumwein unter dem DOC-Etikett ausgebaut werden. Neun Monate Hefelager sind für ihn Pflicht. Allerdings vermarkten nur etwa zehn Betriebe jedes Jahr Espumante unter der geschützten Herkunftsbezeichnung.

EINE FORTSCHRITTLICHE INSTITUTION
Die geografischen Grenzen der Region Vinho Verde wurden erstmals 1906 festgelegt, ohne dass zunächst konkrete Aussagen zu weinbaulichen Fragen schriftlich niedergelegt worden wären. Erst genau 18 Jahre später entstand ein Kontrollorgan, die Comissão de Viticultura Da Região Dos Vinhos Verdes, und mit ihm ein Statut. Erstaunlich für diese Zeit war zweifellos die Ausrichtung dieser Institution. Sie beschäftigte sich nicht nur mit weinbautechnischen Fragen oder der Qualitätsoptimierung, sondern auch mit dem Schutz der Identität des Vinho Verde und dessen Vermarktung. Die Comissão hatte schon zur Zeit ihrer Gründung die Struktur eines berufsübergreifenden Organs, welches sich aus Winzern, Abfüllern und großen Vermarktern sowie Vertretern offizieller Stellen zusammensetzte. Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn diese Form der Verwaltung, Förderung und Kontrolle, die den gesamten Sektor einbindet, ist nach wie vor brandaktuell. Man stelle sich vor, dass die D.O.Ca Rioja, eine der bekanntesten Appellationen des Nachbarn Spanien, ein vergleichbares Modell erst zu Beginn des neuen Jahrtausends einführte! Momentan sind im Minho 600 Betriebe eingeschrieben, darunter Abfüller und Genossenschaften ebenso wie viele kleine Erzeuger.

VINHOS VERDES UND VINHOS MADUROS
Man mag sich die Frage stellen, warum die Vinhos Verdes einen so durchschlagenden Erfolg im eigenen Land hatten. Immerhin weisen insbesondere die sehr säurebetonten roten Exem¬plare einen für ausländische Gaumen durchaus gewöhnungsbedürftigen Charakter auf.Dazu sollte man wissen, dass traditionelle portugiesische Rotweine, etwa aus Bairrada oder Däo, aufgrund ihrer mächtigen Tannine nur sehr zögerlich zugänglich waren und lange lagern mussten, um Trinkreife zu erlangen. Man nannte sie Vinhos Maduros, gereifte Weine, im Gegensatz zu den »grünen«, schon jung genussfertigen Vinhos Verdes. Noch heute spiegeln manche Weinkarten in der traditionellen portugiesischen Gastronomie diese Situation wider, indem sie in die Kategorien Vinhos Maduros und Vinhos Verdes eingeteilt sind. Zumindest auf der Qualitätsstufe der in Flaschen abgefüllten Weine gab es lange Zeit kaum eine Alternative zu den roten Vinhos Maduros (und den ebenfalls lang gelagerten und zuweilen rustikal wirkenden traditionellen Weißen) — mit Ausnahme der bereits wenige Monate nach der Gärung genussreifen Weine des Minho mit ihrem leichten, dünnen und säurebetonten Stil und dem mäßigen Alkoholgehalt. Kein Wunder, dass der Vinho Verde so populär wurde, zumal für die Einheimischen nichts so gut zur rustikalen Küche des Nordens passt wie dieser Wein. Heute, da immer mehr junge Rot- und Weißweine im modernen Stil produziert werden, hat die Unterscheidung in Vinhos Maduros und Vinhos Verdes kaum noch Bedeutung.

REBSORTEN
Wie es sich für ein portugiesisches Anbaugebiet dieses Kalibers gehört, bietet die DOC Vinho Verde ein breit gefächertes Spektrum an Rebsorten. Empfohlen werden zwar nur 15 verschiedene Sorten, davon sieben weiße und acht rote, weitere 30 Trauben sind aber ebenfalls für den Anbau zugelassen. Die wichtigsten unter den empfohlenen Sorten sind die weißen Trau¬ben Alvarinho, Arinto, Avesso, Loureiro und Trajadura sowie die roten Alvarelhão, Amaral, Borraçal, Vinhão und natürlich die Espadeiro, eine Traube, die fast immer für die Erzeugung von Roséweinen eingesetzt wird.

Weißweintrauben
Als ideal für die warmen Teilgebiete gelten Alvarinho und die etwas rustikalere Avesso, wobei Letztere zu hohen Erträgen sowie zu schneller Oxidation neigt. Beide tendieren zu tropischen Fruchtaromen oder reifer, gelber Frucht. Die kleinbeerige Arinto gilt als aro¬matisch und ergibt zumindest mittelfristig lagerfähige Gewächse, wenn der Ertrag niedrig gehalten wird. Ihre Säure ist ausgewogen und angenehm. Loureiro ist die populärste Weißweintraube und belegt mengenmäßig den ersten Platz unter allen weißen Sorten. Sie kommt mit kühleren Temperaturen zurecht, ist wenig empfindlich gegenüber feuchtem Klima und glänzt durch kräuterwürzige Aromatik. Allerdings benötigt sie genügend Wasser. Kräftig-erdig gibt sich die Trajadura. Zwar fehlt es ihr an einem stabilen Säuregerüst, doch sie verfügt über eine gehörige Dosis an Farbstoffen. Eine Maischung des Mosts mit Schalen und Fruchtfleisch über längere Zeit bei Niedrigtemperaturen kommt also bei dieser Sorte nicht infrage.

Rotweintrauben
Unter den immer mehr an Bedeutung verlierenden roten Trauben zeigt sich die blumig duftende Alvarelhão grazil und von hellroter Farbe. Amaral tendiert zu rustikalen, oft uneleganten Tanninen und prononcierter Säure. Die zweitwichtigste rote Sorte Borraçal wirkt zwar auch etwas rustikal im Duft, am Gaumen punktet sie jedoch mit angenehm saftigen Gerbstoffen. Die Vinhão steuert in den Cuvées dagegen viel Farbe und für rote Vinho-Verde-Sorten reichlich Körper bei. Sie wird in allen Teilgebieten angebaut und macht etwa 25 % des roten Rebspiegels aus. Die für Rosé verwendete Espadeiro wird dagegen oft wegen ihrer hellen Farbe unterschätzt. Sie besitzt die ansprechendste Säure aller roten Sorten des Minho.

Vinho-Verde-Verschnitte
Die Comissão sprach in den Siebziger- und Achtzigerjahren immer wieder Empfehlungen aus, welche Cuvée für einen Vinho Verde ideal sein könnte. So gilt bis heute die Mischung aus 60 % Loureiro, 20 % Arinto und 20 % Trajadura als optimal bei den weißen Gewächsen. Im roten Bereich rät man zu einem Verschnitt mit 70 % Vinhão, ergänzt durch Borraçal. Doch auch in dieser Beziehung ist alles in Bewegung geraten. Viele Erzeuger setzen mittlerweile auf fast reinsortige Loureiro-Weine, da diese Sorte in den warmen letzten Jahren eine hervorragende Reife erreichte und weniger der weichen Trajadura bedarf. Aufgewertet worden ist zudem die rote Amaral, die sich aus den gleichen klimatischen Gründen nun weicher und zugänglicher erweist.

REBENERZIEHUNG
Die Rebenerziehung im Gebiet zeigt sich von geradezu abenteuerlicher Vielfalt. Noch heute existieren archaisch anmutende Methoden neben verschiedenen moderneren Erziehungssystemen, die jeweils von den örtlichen Umständen bestimmt werden. Die portugiesischen Weinbauern haben sich im Lauf der Jahrhunderte als ebenso praktisch wie erfinderisch erwiesen. Im Land der Kleinstbauern galt es, den winzigen Grundbesitz so gut wie möglich zu nutzen. Während einem auf der einen Parzelle akkurat gezogene Rebstöcke begegnen, finden sich auf dem Nachbargrundstück scheinbar sich selbst überlassene Pflanzungen. Schon aus diesem Grund zählt das Minho zu den wirklich pittoresken Weinlandschaften Europas. Enforçado nennt man die wohl älteste Erziehungsform, die meist wilde Kirschbäume als Stützen verwendet. Die Rebe klettert die Bäume hoch, geerntet werden muss mit der Leiter. Während der Lese stutzt man die Bäume wieder so zurück, dass die Rebe zu Beginn des nächsten Vegetationszyklus erneut frei drauf-lostreiben kann. Man wird angesichts dieser Erziehung daran erinnert, dass die Rebe ursprünglich eine Kletterpflanze war, die ihre Blätter bis über die Baumwipfel ausbreitete, bevor sie gezielt kultiviert wurde. Auch die Cordão genannte Rebenerziehung bedient sich junger Bäume. Zwei Reben, die jeweils an einem Baumstamm emporgewachsen sind, hangeln sich an einem horizontal zwischen den Bäumen gespannten Draht entlang aufeinander zu.

VINHO-VERDE-STILE IM WANDEL DER ZEIT
Der Stil der traditionellen Vinhos Verdes hat große Veränderungen durchgemacht. Die Zahl der dünnen, extrem spritzigen Weine mit viel Kohlensäure nimmt immer mehr ab. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die neue Generation von Weinmachern ihr technisches Wissen und das modernere Weinbergmanagement mit regulier-bareren Erträgen und gesünderem Lesegut dazu nutzen, um mehr Stoff und Klarheit in die Weine zu bringen. Ihren frischen und leichten Charakter haben sie dennoch bewahrt. Dies gilt nicht nur für die Weißweine, sondern auch für die roten Vinhos Verdes. Gewöhnungsbedürftig bleiben die Roten für die meisten Zungen dennoch. Die Portugiesen selbst haben ihre Roten aus dem Nordwesten immer in Schutz genommen und ihre wunderbare Verträglichkeit mit der robusten, gehaltvollen Regionalküche gelobt. Wer einmal die wohltuende, verdauungsfördernde Wirkung der Säure dieser Weine nach einem gehaltvollen Mahl gespürt hat, mag dieser Argumentation zustimmen. Auch der niedrige Alkoholgehalt spricht für sie. Das oft grün wirkende, raue Tannin hingegen ist nicht jedermanns Sache. Eine Stiländerung ist jedoch unverkennbar. Sowohl weiße als auch rote Vinhos Verdes haben an Konzentration und damit auch an Alkoholgehalt durchaus zugenommen. Dabei ist eine Aufzucke-rung zur Anhebung der Alkoholgraduation natürlich verboten. Süßreserve in Form von Traubenmost darf nur eingesetzt werden, um nach der Gärung leicht zu süßen. Früher entstand übrigens die charakteristische Kohlensäure durch biologischen Säureabbau (»malolaktische Gärung«). Heute wird sie im Normalfall zugesetzt. Arejão oder Arjoada ist eine weitere Erziehungsvariante an Bäumen. Dabei wird die Rebe freistehend an einem Netz von horizontal zwischen zwei Stämmen gespannten Drähten nach oben geführt. Alle Spielarten der Baumerziehung bieten den Bauern die Möglichkeit, die freien Flächen unter den in die Höhe gezogenen Reben für eine andere Bodenbepflanzung zu nützen. Diese effiziente Kleinstparzellenwirtschaft ist für den Norden Portugals typisch, findet sich aber auch häufig in der angrenzenden spanischen Region Galicien. Vertrauter wirkt die Ramada, die man als eine Art Pergola-Erziehung beschreiben könnte. Sie dürfte wohl die erste wirklich wirtschaftliche Rebenerziehung in der Region gewesen sein. Man trifft sie vor allem auf größeren Gütern an wo sie lange Reihen an Steinpfeilern aufgehängte Weinlaubdächer bildet. Für den ersten Schritt in die Moderne steht eine Erziehung, die sich Cruzeta nennt. Für sie werden in langen Reihen Granitpfeiler aufgestellt, von denen jeder ein langes Querholz trägt — daher die Bezeichnung Kreuz- oder gekreuzte Erziehung. Die Enden des Querholzes sind mittels eines Drahts mit dem Kopf des Pfeilers verbunden. An weiteren Drähten, die sich von Querholz zu Querholz spannen, hält sich die Rebe fest. Freilich sind diese sehr ursprünglichen Formen der Erziehung mehr und mehr auf dem Rückzug, was jedoch nicht bedeutet, dass sie qualitativ unbedingt schlechter wären. Im Grunde ist das luftige Hängen des Leseguts, vor allem in Jahren mit feuchten Sommern, durch aus positiv zu bewerten, und je nach Ausrichtung reifen die Trauben auch tadellos aus. Bei dem Wandel in den Anbauformen standen wohl vor allem Wirtschaftlichkeit und Bequemlichkeit im Vordergrund. Heute scheint sich nach den Angaben der Comissão die einfache Drahtrahmen-Erziehung durchgesetzt zu haben. Nach der massiven Umerziehung in Anlagen mit zwei- und einarmiger Cordon-Erziehung — bei denen der Cordon, der verholzte Teil am oberen Ende des Stamms, seitlich an Drähten gezogen wird — hat sich die einarmige Variante durchgesetzt. Über 70 % der Gesamtfläche in der Vinho-Verde-Region wird inzwischen auf diese Weise bewirtschaftet.

UNTERREGIONEN
Die DOC Vinho Verde ist heute in neun Teilgebiete untergliedert, sogenannte Sub-Regiões. Bis Ende der Neunzigerjahre waren es nur sechs, dann wurden auf Bestreben einiger Produzenten im Süden die drei neuen Unterregionen Baião, Paiva und Sousa eingerichtet. Amarante und Baião liegen recht hoch auf etwa 400 m und genießen ein Übergangsklima zwischen kontinentalen und atlantischen Einflüssen. Für Basto gilt Ähnliches. In diesen drei Zonen können durchaus Spätfröste im Frühjahr auftreten. Paiva liegt südlich des Douro. Einerseits ist es dort etwas wärmer, andererseits sind die Niederschlagswerte hoch. Fünf Teilgebiete sind Flusstäler: Monção, Lima, Cávado, Sousa und Ave. Diese Sub-Regiões haben zwar das Wasser gemein, unterscheiden sich aber aufgrund ihrer geografischen Lage. Die Weinberge im Teilgebiet Ave laufen von Westen Richtung Zentrum, liegen recht tief und verzeichnen hohe Niederschlagsmengen. Im Tal des Lima konzentrieren sich die Rebflächen eher auf das Landesinnere. Amarante im Südosten weist den größten Rotweinanteil auf.

MONÇÃO
Die Sub-Região Monção, benannt nach der gleichnamigen Kleinstadt in unmittelbarer Nähe der spanischen Grenze ganz im Norden, ist die Heimat der Alvarinho-Traube (die in Spanien als Albariño bekannt ist). Das Mikroklima des Minho-Tals sorgt hier für sehr milde Temperaturen. Die meisten Lagen befinden sich auf nur 150 bis 200 m Höhe. Das Teilgebiet beschränkt sich auf die zwei Gemeinden Monção und Melgaço. Bisher galt für viele Winzer das Städtchen Monção als die privilegierte Anbauzone, da dort die Gebirgsrücken, die Serras, nicht so eng beieinanderliegen und mehr Platz für großflächigere Pflanzungen vorhanden ist. Zudem bevorzugte man gewöhnlich niedrige Lagen aufgrund der dort herrschenden höheren Temperaturen. Inzwischen hat sich die Einstellung in dieser Hinsicht geändert. Der Klimawandel führt mittlerweile zu ungewohnt langen Hitzeperioden im Sommer, die Niederschläge sind von den üblichen 900 mm jährlich auf 600 mm zurückgegangen. Nun denken die Winzer über den Anbau in höheren Lagen nach, was das schwierigere Terrain um Melgaço ins Visier ambitionierter Weinmacher gerückt hat. Immerhin hat das Kleinod am Minho schon jetzt mit 21 Kellereien mehr Abfüller aufzuweisen als seine berühmtere Nachbargemeinde Monção einige Kilometer weiter westlich.

Heimat der Alvarinho-Traube
Nur in der kleinen Sub-Região Monção mit ihrer etwa 2000 ha großen Anbaufläche darf übrigens laut eines Beschlusses aus dem Jahr 1950 Alvarinho angebaut werden. Zwar können auch die Landweine der Region, die unter der Bezeichnung Vinho Regional Minho laufen, Alvarinho enthalten, in der DOC Vinho Verde ist die Sorte sonst aber nicht zugelassen. Die Erfolge der Alvarinho-Weine aus Monção haben indes Bestrebungen weiterer Unterregionen des Minho, aber auch anderer DOC-Gebiete, aus-gelöst, die Traube bei ihnen ebenfalls zuzulassen. Anpflanzungen gibt es bereits im Alentejo und an der Algarve, dort kommt sie jedoch nur in Verschnitten zum Zug. Die Böden im Teilgebiet Monção sind, wie fast überall im Minho, von Granit dominiert. Dies ist ein Glücksfall, denn die sauren Granit-Sand-Böden ergeben schlanke, elegante Weine mit einer relativ hohen natürlichen Säure. Lehmterrassen, durchsetzt mit Flussabraum sind jedoch ebenfalls präsent. Dort entstehen wärmere und fülligere Alvarinho-Typen. Beide Alvarinho-Städte, Monção und Melgaço, bieten in ihren Alvarinho-Zentren Paço do Alvarinho beziehungsweise Solar de Alvarinho Besuchern die Möglichkeit, die Weine aller Produzenten kostenlos zu probieren. Man sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Viele dieser teilweise hervorragenden Alvarinhos werden nur in Kleinstmengen produziert und sind folglich selten zu finden. Weinmacher, Fachjournalisten und Weinliebhaber fragen sich schon seit Jahren, warum der Sub-Região Monção nicht eine eigenständige DOC zugestanden wird. An der Qualität und der Eigenständigkeit der Weine kann es nicht liegen. Kein Teilgebiet in der Vinho-Verde-Region kann mit solch einer Zahl an edlen Gewächsen aufwarten. Hinzu kommt das historische Verdienst, als erstes Gebiet — noch vor den Spaniern — reinsortige Alvarinhos von Format bereitet zu haben!

Erzeuger in Monção
Einer der wichtigsten Produzenten der Unterregion ist die Adega Cooperativa de Monção. Die 50 Jahre alte Genossenschaft hat mit dem weichen, pfirsichartigen Deu-la-Deu nicht nur einen der ersten Premium-Alvarinho-Klassiker Portugals produziert, sondern stellt mit dem Muralhas de Monção auch den gegenwärtigen Marktführer unter den Alvarinho-Weinen des Landes. Bemerkenswert zuverlässig, geprägt von Blütennoten und gelber Frucht, bietet er hervorragende Qualität zu einem günstigen Preis. Sehr gelungen ist auch der einfache und spritzige Vinho Verde mit einem Trajadura-Anteil von 50 %. Eine weitere wichtige Kooperative ist Quintas de Melgaço, welche die zwei reinsortigen Al-varinhos QM und Castrus de Melgaço produziert, dazu einen kommerziellen Verschnitt auf Alvarinho-Basis mit Trajadura namens Torre de Menagem. Der vier Monate im Tank gelagerte QM wirkt weich und etwas breit, während der ausgezeichnete Castrus sich kraftvoll mit viel Frucht und einer feinen Bitternote präsentiert. Die 1994 gegründete Kellerei verfügt über hervorragende alte Pflanzungen. Ein gutes Beispiel für die Alvarinho-Renaissance der Neunzigerjahre sind die Productores de Vinhos Alvarinhos de Monção (PROVAM). Das ehrgeizige Projekt wurde 1992 von zehn Alvarinho-Winzern gegründet, um gemeinsam eine den Anforderungen der Zeit technisch an-gemessene Kellerei bauen zu können. Neben dem ausgewogenen Schaumwein Côto de Mamoelas mit zwölf Monaten Hefelager werden zwei reinsortige Alvarinhos und ein Verschnitt mit Trajadura angeboten. Besonders hervorzuheben ist der Alvarinho Portal do Fidalgo mit seiner frischen, direkten und säurebetonten Art. Auf der Quinta de Alderiz, einem schmucken 10-ha-Anwesen, produziert der Weißwein-virtuose Anselmo Mendes, der zu den bekanntesten Önologen Portugals zählt, einen feinen, perfekt ausbalancierten und subtilen Alvarinho, der wie kaum ein anderer Wein aus der Sub-Região Monção die mineralische Art der Granitsandböden mit Frucht und Blumigkeit verbindet. Ein Wein für Puristen. Außerdem keltert Tausendsassa Anselmo Mendes auf seinem eigenen Minigut Muros de Melgaço zwei Weine unter eigenem Etikett. Muros Antigos ist nicht nur der beste Alvarinho Portugals, sondern liegt auch im gesamtiberischen Vergleich ganz vorn. Kraft, Saft und Lebendigkeit einerseits, eine beneidenswerter Reife andererseits machen diesen Alvarinho zum Erlebnis. Für Liebhaber von Weinen mit leichtem Holzeinfluss sei der Muros de Melgaço empfohlen. Auch in dieser Kategorie steht Senhor Mendes eindeutig an der Spitze. Weintourismus auf hohem Niveau bietet Solar de Serrade, einer der Aufsteiger unter den Alvarinho-Produzenten. Im hügeligen Hinterland des Minho-Flusses entsteht auf einem Traumanwesen mit Herrenhaus, in dem man auch übernachten kann, ein kraftvoller, blumiger und sehr mineralischer Alvarinho. Um Vielschichtigkeit zu erhalten, lagern die Weine vor der Abfüllung fünf bis sechs Monate im Tank. Besitzer José Carlos Lameiro und sein galicischer Weinmacher Carlos Blanco arbeiten an einem Selektionswein mit entsprechend kleiner Produktion. Solar de Serrade gehört zur Rota dos Vinhos Verdes, einem Zusammenschluss aus fast 60 Kellereien der neun Teilgebiete, die dem weininteressierten Touristen offen stehen.

LIMA
Lima, das wohl ländlichste und grünste Teil-gebiet, gilt als die Hochburg der Loureiro-Traube. Neben Granitböden finden sich auch einige Schieferlagen südlich des Flusses Lima. Hier entstehen feine und sehr mineralische Vinhos Verdes. Eingebettet in die wunderschöne Hügellandschaft bei Ponte de Lima liegt das historische Gut Quinta do Ameal, das von Pedro Araújo in den Neunzigerjahren neu bestockt wurde. Anselmo Mendes, »Mister Alvarinho«, ist auch hier für die Weinbereitung verantwortlich. Das Aushängeschild ist ein sehr blumiger und frischer DOC-Wein auf Loureiro-Basis. Als Vinho Regional wird auch ein Arinto vermarktet.

CAVADO
Weiter südlich schließt sich die Sub-Região Cávado an, benannt nach dem gleichnamigen Fluss. Typisch sind die Sorten Arinto und Trajadura. Im Osten, am Oberlauf des Flusses, gelten jedoch Amares und die umliegenden Dörfer auch als Zentrum der Loureiro-Traube. Eingeschlossen von einer Mauer in direkter Nachbarschaft des Klosters Rendufe produziert der 55 ha große Weinberg der Quinta de Amares einen einzigen Wein. Der perlende Quinta d'Amares entsteht auf Loureiro-Basis mit etwas Pedernã (Arinto) und Trajadura. Fein, blitzsauber mit leichtem Bitterton wirkt er stets knackig und erfrischend.

Bei Barcelos in relativer Küstennähe erzeugt das Familienunternehmen Quinta de Paços auf 23 ha Rebfläche Weine, etwa den Casa de Paços, einen der stoffigsten Vinhos Verdes der DOC. Der auf Loureiro und Arinto gegründete Wein kommt ohne Kohlensäure aus und präsentiert sich einerseits reif und fruchtig, andererseits spielt er mit feinen Kräuteraromen. Der Alvarinho Casa do Capitão Mor wiederum, den die Firma auf ihrem zweiten Gut in Monção erzeugt, glänzt mit feiner Säure und dezenter Mineralität. Einer der drei größten Erzeugerbetriebe der gesamten Minho-Region ist Vinhos Campelo. Mit Erfolg führen die drei Söhne des Firmengründers Joaquim Campelo den Betrieb fort und haben sich bei ihren Weinen durchaus flexibel gezeigt. Auch hier ist der Stil ausgewogener, weniger säurelastig. Chantel ist ein typischer, sehr kräuterbetonter und fein perlender Vinho Verde, während der einfache Campelo mit 12 g Restzucker eher kommerziell wirkt.

AVE
In der Unterregion Ave, die sich vom historischen Guimarães bis fast nach Porto erstreckt, zählt die Casa de Sezim zu den führenden Betrieben. Auf 25 ha Rebfläche, die komplett in Nord-Süd-Richtung neu angelegt wurde, produziert man einen kräftigen, leicht perlenden und sehr typischen Loureiro namens Casa Sezim Grande Escolha. Auch in diesem historischen Kleinod kann übernachtet werden.

SOUSA
Das Teilgebiet im Süden beherbergt zwei der bedeutendsten Erzeuger der ganzen Region. Die Quinta da Aveleda ist nicht nur im Minho ein Aushängeschild des portugiesischen Weinbaus. Von ihrer grandiosen Finca bei Penafiel mit einem der schönsten Gärten Portugals und einem von einer Mauer eingefassten, fast 100 ha großen Weinberg lenkt die Besitzerfamilie Guedes die Geschicke der Gruppe. Die modernen Rebanlagen können komplett maschinell geerntet werden. Während der einfache Casal Garcia zu den kommerziellen Dauerbrennern unter den Vinhos Verdes zählt, ist der florale Quinta da Aveleda ein feiner und eleganter Weißwein. Der Grinalda (Trajadura und Loureiro) mit einigen Gramm Restzucker sowie der Alvarinho werden Teil einer neuen Dachmarke, genannt »Follies«. Der 1884 gegründete Großerzeuger Vinhos Borges SA begann erst in den 1990er-Jahren, auch Quintas mit eigenen Weinbergen zu kaufen. Die Firma, die mit ihrem Millionseller Gatão dazu beitrug, den Vinho Verde weltweit zu etablieren, produziert heute mit dem Quinta de Simaens einen der kräftigsten weißen Vinhos Verdes überhaupt. Die Rebflächen sind nach modernen Weinbaumethoden eng bestockt, die Erträge liegen verhältnismäßig hoch. Dennoch glänzt der auf der Basis von Pedernã (Arinto) und Avesso bereitete Wein mit schöner Mineralität, sattem Körper und makelloser Frucht. Zu verdanken ist dies einer besonderen Rebenerziehung, die von Rogerio Castro speziell für das Anwesen im Minho entwickelt wurde: Bei der Lys-Erziehung werden die Pflanzen auf einen sehr hohen Drahtrahmen gezogen. So kann eine große Blattoberfläche besser verteilt werden, was größere Erträge bei optimaler Qualität ermöglicht. Ohne die beiden großen Erzeuger des Sousa-Teilgebiets hätte sich der Vinho Verde wohl nicht zu dem modernen Weintyp entwickeln können, der er heute ist. Sie haben gezeigt, dass weiße Vinhos Verdes nicht nur moussierend und leicht sein müssen, sondern durchaus auch Saft und Kraft zeigen können.



Quelle: "Portugal und seine Weine" - Gräfe und Unzer Verlag GmbH / ViniPortugal